Inhalt
Wie wird Diabetes mellitus behandelt?
Ziele einer optimalen Diabetes-Therapie
- Normalisierung des Energie- und Zuckerstoffwechsel
- Verhinderung akuter Stoffwechselkrisen (diabetisches Koma, diabetischer Schock)
- Minimierung von Spätfolgen der Erkrankung (z. B. diabetische Gefäß- und Nervenschäden)
Insulin-Therapie
Die Insulin-Therapie, das heißt die Zufuhr des fehlenden Hormons von außen, hilft den Diabetikern, die nur noch eine geringe oder keine Insulinproduktion mehr besitzen. Hierzu gehören in erster Linie alle Typ-1-Diabetiker.
Die ersten Patienten wurden bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit subkutanen Injektionen (subkutan = unter die Haut) so genannter "Normal"- oder "Alt-Insuline" behandelt. Auch heute noch erfolgt die Insulin-Therapie durch Injektion des Hormons, da dieses bei oraler Einnahme im Magen und Darm sehr schnell verdaut und unwirksam würde. Alt-Insuline wirken schnell aber nur kurz, sodass die Patienten auf häufiges Spritzen vor den Mahlzeiten angewiesen waren. Die Entwicklung der Verzögerungsinsuline reduzierte die tägliche Zahl der Injektionen von bis zu fünf auf durchschnittlich zwei. Sie verbesserte die Lebensqualität vieler Diabetiker damit erheblich. Verzögerungsinsuline entfalten ihre Wirkung nur langsam. Im Gegensatz zu den Alt-Insulinen hält ihre Aktivität länger an.
Die Kombination "schneller" und "langsamer" Insuline bietet Patienten und Ärzten die Möglichkeit einer relativ bequemen Therapie. Ihr Nachteil ist die geringe Flexibilität, die den Patienten zu weitgehend festgelegten Essenszeiten zwingt. Auch eine Anpassung an unterschiedliche körperliche Belastungen ist nur in engen Grenzen möglich. Dank verbesserter Insulin-Präparate und neuer Geräte zur Verabreichung des Hormons (Insulin-Pens und -Pumpen) erhält eine wachsende Diabetiker-Zahl inzwischen eine intensivierte Insulin-Therapie. Der Unterschied zur konventionellen Kombinationstherapie ist die ständige Anpassung an den tatsächlichen Insulinbedarf und Blutzuckerwert. Die Insulingabe erfolgt nach dem Basis-Bolus-Prinzip: Zwei bis drei tägliche Dosen eines Verzögerungsinsulins zur Basis-Medikation werden durch schnell wirkendes Normal-Insulin ergänzt. Die Menge dieser meist kurz vor den Mahlzeiten gespritzten Bolus-Gaben richtet sich nach der Höhe des Blutzuckerspiegels, der vor jeder Injektion vom Patienten selbst gemessen wird.
Die intensivierte Insulin-Therapie ermöglicht es Diabetikern heute, ein weitgehend normales Leben zu führen. Zur Injektion verwenden viele von ihnen inzwischen ein Schulfüller-ähnliches Gerät, den so genannten Pen. Aus einer Vorratspatrone wird die jeweils benötigte Insulin-Dosis unter die Haut gespritzt. Genauer noch als Pens und intensivierte Insulin-Therapie ahmen Pumpen die natürliche Insulin-Ausschüttung des Körpers nach. Sie besitzen etwa die Größe einer Zigarettenschachtel und werden vom Patienten ständig am Körper getragen. Über eine Kanüle gibt die Pumpe das Insulin rund um die Uhr in programmierter Frequenz und Menge aus einem Vorratsbehälter in die Blutbahn ab.
U-40- und U-100-Insulin
Insulin-Mengen werden üblicherweise in Internationalen Einheiten bzw. Insulin-Einheiten (I. E) angegeben. Jede I. Esenkt den Blutzuckerspiegel um einen bestimmten Wert. In Deutschland sind in der Regel Insulinpräparate mit 40 (U -40-Insulin) und 100 (U -100-Insulin) I. E im Gebrauch. Das "U" steht für den englischen Begriff "Unit", Deutsch "Einheit". U -40-Insulin enthält 40 I. E pro Milliliter Lösung, dem entsprechend hat ein Milliliter U-100-Insulin die Wirkung von 100 I. E. Diabetiker, die Insulin benötigen, sollten immer genau auf die Konzentration ihrer Präparate achten, um eine Fehldosierung zu vermeiden.
Orale Antidiabetika
Insbesondere für Typ-2-Diabetes-Patienten, deren Körper noch eigenes Insulin produziert, stehen eine Reihe von Wirkstoffen zur Verfügung, die meist in Tablettenform oral eingenommen werden können. Die Wirkmechanismen der einzelnen Stoffgruppen sind teilweise sehr unterschiedlich:
- Resorptionsverzögerer
Resorptionsverzögerer hemmen die Aufnahme der Nahrungskohlendydrate im Darm. Hierzu gehören unter anderem Substanzen, die den Verdauungstrakt durch starkes Aufquellen füllen und damit die Nahrungs- und Kohlenhydrat-Aufnahme allgemein begrenzen. Andere Wirkstofftypen, wie die Alpha-Glukosidasehemmer, blockieren gezielt die biochemischen Reaktionen, die im Darm an der Glukose-Resorption beteiligt sind. - Biguanide
Biguanide senken den Blutzuckerspiegel, indem sie die Glukoseaufnahme zum Beispiel in Muskelzellen forcieren. Außerdem unterdrücken sie die Umwandlung anderer Nährstoffe in Glukose. Da Biguanide unter Umständen schwere Nebenwirkungen auslösen können, werden sie eher zurückhaltend verordnet. Als einziger Vertreter dieser Wirkstoffgruppe ist heute nur noch Metformin in Deutschland zugelassen. - Sulfonylharnstoffe
Die Sulfonylharnstoffe sind chemisch eng mit einer Antibiotikagruppe, den Sulfonamiden verwandt. Ihre Wirkung beruht auf einer Anregung der Inselzellen, die unter dem Einfluss der Sulfonylharnstoffe empfindlicher auf den Anstieg der Blutglukose reagieren. Dadurch produzieren die Zellen mehr Insulin. Bei vielen Typ-2-Diabetikern verläuft die Behandlung mit Sulfonylharnstoffen zumindest am Anfang recht erfolgreich. Ob die Wirksamkeit anhält, hängt von der weiteren Entwicklung der Krankheit ab. Häufig schreitet der Diabetes aufgrund der zunehmenden Erschöpfung der Inselzellen kontinuierlich fort. In etlichen Fällen ist die Produktionskapazität der Zellen für Insulin eines Tages so weit erschöpft, dass die Umstellung der Therapie auf Insulin unausweichlich wird. - Glitazone
Zu den neuesten Wirkstoffen für die orale Diabetes-Therapie gehören die Glitazone. Ihre Wirkung beruht auf einer Empfindlichkeitszunahme verschiedener Zellen (Leber-, Fettgewebe-, Muskelzellen) gegenüber Insulin. Glitazone werden deshalb oft auch als "Insulin-Sensitizer" bezeichnet. Die Behandlung mit Glitazonen erfolgt in der Regel in Kombination mit anderen oralen Anti-Diabetika oder auch Insulin. - Glinide
Glinide regen die Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse rasch und vorübergehend an. Die Substanzen werden unmittelbar vor den Mahlzeiten eingenommen. Sie können zu einer Unterzuckerung führen. - GLP-1-Agonisten
GLP-1-Agonisten sind Medikamente, die die Aktivität eines körpereigenen Hormons, des GLP-1 (Glucagon like peptide 1) steigern. Dieses wird nach der Aufnahme von Kohlenhydraten im Darm ausgeschüttet. Als Folge davon steigt die Insulinausschüttung. GLP-1-Agonisten haben den Vorteil, dass sie weder zu einer Unterzuckerung noch zu einer Gewichtszunahme führen. Allerdings ist eine Voraussetzung, dass die Zellen der Bauchspeicheldrüse noch in der Lage sind, Insulin zu produzieren, wie dies beim Typ-2-Diabetes der Fall ist. Die Medikamente werden unter die Haut gespritzt. - DPP-4-Hemmer
Diese Medikamente hemmen den Abbau des körpereigenen Hormons GLP-1 und erzielen damit dieselbe Wirkung wie GLP-1-Agonisten, nämlich eine Insulinausschüttung. Auch sie führen nicht zur Unterzuckerung oder zu einer Gewichtszunahme.
Um möglichst gut im Alltag zurechtzukommen, sollte ein Diabetiker Folgendes beachten:
Hilfe durch die Diabetiker-Schulung