Inhalt

Wie kommt es zum Lungenhochdruck?

Unmittelbar verantwortlich für den erhöhten Blutdruck im Lungenkreislauf sind veränderte, eingeengte arterielle Blutgefäße. Das Blut muss sich nun durch einen engeren Kanal "zwängen" als früher. Folglich steigt der Druck des Blutes in diesen Gefäßen an, also der Druck, den das pulsierende Blut auf die Innenwand der Blutgefäße ausübt. Man kann sich das ähnlich vorstellen wie bei einem Wasserschlauch, durch den Wasser fließt und der gleichzeitig mehr oder weniger stark zugedrückt wird.

Drei Mechanismen drosseln die Lungengefäße

Für die Verengung der Blutgefäße in der Lunge sorgen vor allem drei Vorgänge:

  • Reflexstörungen in der Gefäßwand führen zu einer dauerhaften Engstellung der Blutgefäße (Vasokonstriktion). Zwar ist es ein normaler Vorgang, dass sich bei sinkendem Sauerstoffgehalt des Blutes die kleineren arteriellen Blutgefäße in der Lunge reflexartig und kurzfristig verengen, aber beim Lungenhochdruck funktioniert dieser Verengungsreflex krankhaft und läuft ununterbrochen ab.
  • Blutplättchen lagern sich an der inneren Wand der Blutgefäße als Blutgerinnsel (Thromben) an, was den Innenraum der Gefäße zusätzlich einengt.
  • Muskelgewebe in der Wand der Blutgefäße wächst übermäßig und unkontrolliert (Proliferation) – auch dadurch verkleinert sich das Lumen der Blutgefäße. Im Lauf der Zeit wird die Muskulatur der Blutgefäße dann noch in unelastisches Bindegewebe umgewandelt, die Gefäßwand wird starr.

Zu diesen drei gefäßverengenden Vorgängen kommt es, weil die innerste, hauchdünne Schicht der Blutgefäße in der Lunge nicht mehr richtig funktioniert. Diese Schicht heißt "Endothel" und kleidet die Blutgefäße innen tapetenartig aus.

Ungleichgewicht der Botenstoffe

Ist das Endothel gestört, wird dadurch die Engstellung der Blutgefäße, die Blutplättchenanlagerung und die Wandverdickung ausgelöst, und zwar auf folgende Weise:

Das Endothel produziert und reguliert verschiedene Botenstoffe. Dabei handelt es sich um biochemische Verbindungen, mit denen sich die Zellen und Gewebe des Körpers untereinander verständigen. Der vom Endothel hergestellte Botenstoff Endothelin verengt die Blutgefäße. Die ebenfalls vom Endothel produzierten Botenstoffe Prostazyklin und Stickstoffmonoxid (NO) erweitern die Blutgefäße. Normalerweise sind diese Botenstoffe im Gleichgewicht. Doch das ändert sich, wenn das Endothel nicht mehr korrekt funktioniert – so, wie es beim Lungenhochdruck der Fall ist. Dann gerät das Gleichgewicht durcheinander: Das gefäßverengende Endothelin ist nun übermäßig erhöht, die gefäßerweiternden Botenstoffe sind dagegen in der Minderheit. Dadurch kommt es zur Gefäßengstellung und zur Verdickung der Gefäßwand.

Ein intaktes Endothel sorgt außerdem dafür, dass sich an der Gefäßwand keine Blutplättchen/Blutgerinnsel ablagern. Ein defektes Endothel (wie es beim Lungenhochdruck vorliegt) begünstigt Blutgerinnsel und damit ebenfalls die Verengung der Blutgefäße.